Geldanlage und Vermögensaufbau

Auch dies wird vorübergehen

Auch dies wird vorübergehen. Das klingt etwas mysteriös, jedenfalls wird es in dieser Folge philosophisch. 

Ich spreche über die Vergänglichkeit und über die kontinuierliche Veränderung. Was das nun mit Geldanlage und Finanzen zu tun hat? Und wie Veränderungen und Schwankungsanfälligkeit Dir an der Börse nicht schaden?  Das erfährst Du in dieser Folge.

Hier geht es zum Podcast:

Es gibt eine alte Geschichte über den König von Persien.

In manchen Versionen ist es der Sultan von Bagdad. Jedenfalls besagt die Geschichte, dass dieser große Herrscher vor langer Zeit alle Dichter und Philosophen aus nah und fern zu sich kommen ließ. 

Und er wollte von ihnen wissen: Gibt es irgendetwas, das er sagen könnte, das immer wahr ist, wo und wann auch immer es gesagt wird. 

Die Weisen hielten eine große Versammlung ab. Sie diskutierten und sie berieten sich, bis sie sich schließlich einigten. Und die Lösung auf des Königs Frage, was ist immer immer und überall wahr, die Lösung war dieser eine Satz:

Auch dies wird vorübergehen.

Wenn man einmal über diese Lebensweisheit nachdenkt, dann steckt da ziemlich viel drin. 

Frag Dich mal selbst: Gibt es etwas in Deinem Leben, das ewig Bestand hat? 

Kindheit und Jugend sind irgendwann zu Ende, die Schule und die berufliche Ausbildung ebenso. Früher hat man sich vielleicht jeden Tag mit den engsten Freunden getroffen. Auch diese Lebensphase geht vorbei.

Menschen um uns herum entdecken ihren eigenen Weg, vielleicht trennen sich Wege. Wir lernen neue Menschen kennen. Wir machen neue Erfahrungen. Eine neue Erfahrung verliert den Reiz des Neuen. 

Familienangehörige, Wegbegleiter oder Haustiere sind irgendwann nicht mehr jung. Sie sterben irgendwann. Alle sterben irgendwann. 

Wir erleben richtig gute Zeiten. Alles läuft wie am Schnürchen. Dann folgt auf einmal eine Zeit, die das komplette Gegenteil ist. Vielleicht wegen einer Krankheit, weil lieben Menschen etwas zustößt, weil das Leben unbarmherzig ist.

Der Punkt ist: Egal wie die Situation ist, ob die Umstände günstig oder katastrophal sind: Auch dies wird vorübergehen.

Und das betrifft sowohl unsere persönliche Situation, unsere Gefühle, unsere Stimmung.

Auch dies wird vorübergehen betrifft ebenso die großen politischen Dinge.

In Folge 26 über die Summe der Erfahrungen, da griff ich die Beobachtung des Investors Ray Dalio auf, dass jede Epoche, jedes Zeitalter irgendwann zu Ende gewesen ist. Die großen Imperien, die Römer, die Kolonialreiche. Die sind alle Geschichte.

Heute mag ein Autokrat, ein Tyrann fest im Sattel sitzen. Morgen wird er vielleicht gestürzt oder nach seinem Tod macht sich Freiheit breit. 

Und wie sollte es anders sein: Natürlich ist auch an der Börse nichts von Dauer.

Auch an der Börse gilt: Auch dies wird vorübergehen

Heute jubeln Investoren über ein neues Kurshoch. Morgen dreht sich die Situation und viele verkaufen aus Panik vor einem kommenden Crash.

Kurzfristig können wir die Entwicklung der Aktienmärkte nicht einschätzen. Das kann niemand. Auch hochrangigen Wirtschaftswissenschaftlern passiert es nicht selten, dass ihre kurzfristigen Prognosen an der tatsächlich eintreffenden Entwicklung vorbeigehen.

Sicher ist nur, dass egal wie gut oder wie schlecht die Stimmung gerade sein mag: Auch dies wird vorübergehen. 

Wirkliche Gewissheit gibt es nur auf lange Sicht. 

Historisch und über einen langen Zeitraum haben sich die Aktienmärkte positiv entwickelt. Aber wenn man weiter reinzoomt und kürzere Zeiträume betrachtet, dann gibt es mal einen boomenden Markt, mal bewegen sich die Kurse seitwärts und mal geht es krachend bergab.

Also anders ausgedrückt: Die Aussicht, ob die Situation zum Investieren gut oder schlecht ist, das hängt im Wesentlichen vom eigenen Anlagehorizont ab.

Man kann fast immer gute Gründe finden, warum die Märkte eigentlich steigen oder fallen sollten. Jemand anders kann ebenso gut begründet die gegenteilige Meinung vertreten. Das Stichwort ist Market Timing. Darüber hatte ich in Folge 2 über Börsenbeben gesprochen:

Market Timing beschreibt den Versuch, die Entwicklung von Börsenkursen zu antizipieren und entsprechend zu handeln. Das funktioniert vielleicht 1-2 mal, aber nicht auf Dauer. Damit würde ich nämlich unterstellen, dass ich den Markt schlagen kann, wenn ich nur die richtigen Ein- und Ausstiegspunkte finde, dass ich abschätzen kann, wie sich die Kurse entwickeln. 

Das kann ich nicht, das kann niemand und selbst bei einem einigermaßen richtig getimten Verkauf muss ich dann auch wieder den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg finden. Sicher ist nur: Die jeweils aktuelle Entwicklung kann morgen vorbei sein, vielleicht auch noch länger anhalten. Das weiß keiner. 

Aber sie ist nicht für die Ewigkeit. Auch dies wird vorübergehen. Und entsprechend ist Geduld und ein langfristiger Zeithorizont eine wichtige Tugend an der Börse. Market Timing wiederum ist in der Regel keine gute Strategie. 

Auch dies wird vorübergehen – das kann auch negativ sein

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass alles vorübergeht, dann kann das auch wehmütig machen. Im schlimmsten Fall sogar für Verbitterung sorgen. 

Dann fragt man sich vielleicht, warum man sich überhaupt die Mühe machen sollte, etwas zu tun, etwas zu erschaffen oder aufzubauen? Glück, Erfolg, Gesundheit. Alles vergeht irgendwann.

Ich finde, man kann das auch umdrehen. Ja, auch die schönen Dinge gehen vorbei. Dann lasst uns sie doch genießen, so lange sie da sind. Und wenn es mal nicht so gut läuft, dann wird auch dies vorübergehen, ergo bessere Zeiten werden kommen.

Im frühen 15. Jahrhundert, da schrieb der Schriftsteller und Theologe Thomas von Kempen sinngemäß, dass man Zeit seines Lebens dem Wandel unterworfen ist. Aber weise Menschen stehen darüber.

Demnach sollen wir die Vergänglichkeit aller Dinge annehmen und uns mit der Unbeständigkeit versöhnen. Und ganz praktisch kennen wir das auch aus der Evolution. Das Stichwort lautet Anpassung.

Also diejenigen überleben, die sich den äußeren Rahmenbedingungen anpassen. Also zum Beispiel wenn sich Wetter- oder Klimabedingungen verändern oder wenn eine bestimmte Nahrung nicht mehr verfügbar ist. 

Anpassungsfähigkeit bei deinen Finanzen

Anpassungsfähigkeit kann mit Blick auf die Börse bedeuten, dass ich so agiere, dass Marktschwankungen gar nicht erst ein Risiko für mich darstellen.

Wie schon öfters in diesem Podcast besprochen, entwickelt sich die Börse in Zyklen. Also Bullenmärkte, das heißt eine breite Aufwärtsbewegung an der Börse, die gehören ebenso dazu wie Börsenkorrekturen, Bärenmärkte, also breite Abwärtsbewegungen und sogar Crashs. Das alles ist ein normaler Bestandteil des Börsenzyklus. 

Es passiert aber nicht selten, dass Anlegerinnen und Anleger durch ihr Investitionsverhalten nicht anpassungsfähig sind und von Kursveränderungen kalt erwischt werden. 

Bei einem Börsencrash gehört es beispielsweise zu dessen Natur, dass kaum einer damit gerechnet hat. Mal abgesehen von Crashpropheten, deren Geschäftsmodell darin besteht, permanent neue Crashs zu prophezeien. Dazu hatte ich bereits in Folge 16 mit einem Plädoyer für finanzielle Zuversicht gesprochen.

Ein Beispiel für Probleme bei Kursveränderungen ist der Handel mit geliehenem Geld.

Es gibt Menschen, die einen Kredit aufnehmen und damit Wertpapiere kaufen. Das kann gut gehen, so lange die Kurse hochgehen. Da aber alles vorübergeht, kann es passieren, dass die Kurse absacken. Der Kredit muss aber immer noch bedient werden.

Im schlimmsten Fall kann einen das finanziell ruinieren.

Jedenfalls hat man bei seiner Anlagestrategie nicht die Schwankungen der Börse gebührend berücksichtigt. Man ist also nicht anpassungsfähig.

Eine ähnliche Situation wäre, wenn man Aktien mit Geld kauft, das man kurzfristig benötigt, zum Beispiel für eine größere Anschaffung. Wenn dann die Kurse im Keller sind, dann hat man ebenfalls ein Problem. Auch hier hat man für die eigene Situation und angesichts der Zyklizität, der kontinuierlichen Veränderung, der Schwankungsanfälligkeit des Aktienmarkts, nicht gut gehandelt. 

Auch dies wird vorübergehen kann man auch zum eigenen Vorteil nutzen

Wenn man den Satz “Auch dies wird vorübergehen” als Investorin oder Investor verinnerlicht, dann kann man eine gewisse Gelassenheit entwickeln und die ewige Vergänglichkeit vielleicht auch zu seinem Vorteil nutzen.

Im historischen Durchschnitt hat zum Beispiel der amerikanische Börsenindex S&P 500 fast alle zwei Jahre eine Kurskorrektur im zweistelligen Prozentbereich durchlaufen. Aber wir wissen nicht, wann es zu einer Korrektur kommt, wir wissen nicht, wie stark sie ausfällt und wir wissen nicht, wie lange sie anhält. 

Wir wissen aber aus der Vergangenheit, dass diese Einbrüche wieder aufgeholt wurden und die Börsen langfristig gestiegen sind. Das kann Gelassenheit bringen, wenn die Börsen mal wieder beben.

Und der Gedanke “auch dies wird vorübergehen”, der kann einen auch demütig machen. Dass man sich nicht für einen Superinvestor hält und dass man keine riskanten Wetten eingeht, nur weil die Börse gerade einen Lauf hat.

Man kann sich daran erfreuen, dass es gut läuft. Aber oft ist es nicht einfach das eigene Können oder der eigene Riecher, sondern es sind mindestens auch glückliche Begleitumstände – doch auch die werden vorübergehen und sich ändern.

PS: Das Beitragsbild ist in Brandenburg entstanden

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