Geldanlage und Vermögensaufbau

Tagesgeld oder ETF?

Tagesgeld oder ETF? Und wie wähle ich den richtigen ETF? Diese Fragen hat mir eine Hörerin des Podcasts gestellt.

Hier geht es zum Podcast:

Tagesgeld oder ETF? Und welcher ETF?

Sarah aus Hamburg hat mir geschrieben. Sie hat sich vorgenommen, das Thema Finanzen anzugehen und für sich entschieden, dass sie einen ETF-Sparplan aufstellen möchte. Allerdings empfand sie es als etwas verwirrend, dass es derart viele ETFs auf zum Beispiel den MSCI World oder den S&P 500 gibt. 

Sie ist dann mithilfe der im Podcast erläuterten Kennzahlen etwas tiefer eingetaucht, um den “besten” MSCI-World-ETF zu finden. Letztlich hat sie sich für den entschieden, der ihr bei der Recherche oft begegnet ist. Insgesamt hat sie 5 verschiedene ETFs in ihrem Portfolio, bei denen sie hofft, eine “gute” Wahl getroffen zu haben. 

Ihre Frage ist nun, ob diese Entscheidung aus meiner Sicht sinnvoll ist, oder ob ich eine andere Vorgehensweise empfehle? Oder ob die Unterschiede bei zum Beispiel den verschiedenen MSCI-World ETFs am Ende gar nicht so groß sind. 

Und ein Hinweis: In dieser Folge beziehe ich mich lediglich auf Aktien-ETF. Es gibt auch bspw. Anleihen-ETFs. Falls Du Dich für das Thema Anleihen interessierst, dann kannst Du Folge 33 über Investieren in Anleihen nochmal nachhören.

Welcher ETF ist ein guter ETF?

Wie Sarah richtig feststellt, ist die Auswahl wirklich enorm. In Deutschland kann man ungefähr in 2.000 verschiedene ETFs investieren. Und selbst wenn man sich bereits dazu entschieden hat, dass es ein ETF auf zum Beispiel den MSCI World Index sein soll, dann ist das Angebot immer noch breit gefächert mit ETFs, die sich punktuell voneinander unterscheiden können.

Das geht los bei verschiedenen Anbietern, den Emittenten, die um das Geld von Anlegerinnen und Anlegern buhlen. 

Ein ETF kann den zugrundeliegenden Index physisch oder synthetisch replizieren. Der genaue Unterschied sprengt an dieser Stelle etwas den Rahmen, das kannst Du nochmals in Folge 23 über Investieren in ETFs nachhören. An dieser Stelle nur der Hinweis, dass beide Typen grundsätzlich in Ordnung sind.

Dann ist da die Frage der Dividenden. Manche ETFs schütten diese aus, andere legen die Dividenden wieder an, sie sind thesaurierend. Auch hierzu habe ich im Detail in Folge 23 gesprochen. 

Und das alles sind Faktoren, die bei der Auswahl eines ETFs relevant sein können. 

Ob ein ETF hingegen in Euro oder Dollar gehandelt wird, macht in meinen Augen keinen wesentlichen Unterschied. Entscheidend sind vielmehr die Währungen der im Index enthaltenen Aktien – gegen dieses Währungswechselrisiko kann man sich theoretisch auch absichern, aber das ist meiner Meinung nach schon sehr ambitioniert und für viele Anlegerinnen und Anleger eher nicht relevant.

Mögliche Kriterien bei der Auswahl eines ETF

Wenn ich mich für einen bestimmten Index entschieden habe, also zum Beispiel den MSCI World, dann würde ich persönlich bei der Auswahl von ETFs vornehmlich auf folgende drei Kriterien achten: 

  • Das Alter 
  • Die Größe
  • Die Kosten

Es gibt eine Daumenregel, wonach ein ETF mindestens fünf Jahre existieren sollte, wenn man in ihn investiert. Wenn ein ETF bereits einige Zeit existiert, dann wäre eine Überlegung, dass er nicht so schnell wieder vom Markt verschwindet, also eingestellt wird. 

Zudem kann man prüfen, wie sich der ETF in der Vergangenheit im Vergleich zum zugrundeliegenden Index, also zum Beispiel dem MSCI World, entwickelt hat. Also welche Rendite der im Vergleich zum Index erzielt hat. 

Das Stichwort hierzu lautet Tracking Error. 

Tracking Error bezeichnet den Unterschied in der Wertentwicklung des ETF zum Vergleichsindex in einem bestimmten Zeitraum. Die Rendite des ETFs sollte dabei möglichst nah an der des Index, der Tracking Error somit möglichst gering sein. In der Regel schneiden ETFs minimal schlechter ab als der zugrundeliegende Index, da die Kosten des ETFs mit eingerechnet werden müssen.

Bei der Größe des ETFs betrachtet man das Fondsvolumen, dass sich mit den sogenannten Assets under Management ausdrückt, also das vom ETF verwaltete Geld. Es gibt Aussagen, dass ein ETF erst ab einem Volumen von 50 Millionen € für den Anbieter profitabel und sich somit nachhaltig am Markt behaupten kann. Manche nennen 100 Millionen Euro als Untergrenze. Ich würde mich gerade zum Start eher an den gängigen großen Fonds orientieren, die oft mehrere Milliarden Euro Fondsvolumen haben.

Bei den Kosten für einen ETF schaut man auf die sogenannte TER, das steht für Total Expense Ratio oder auf Deutsch Gesamtkostenquote. Die liegt in der Regel zwischen 0,1 bis 0,5% pro Jahr. Und wenn man die Gesamtkostenquote verschiedener ETFs miteinander vergleicht, dann sind etwas höhere Kosten nicht zwingend ein Ausschlusskritierum.

Allerdings müssen höhere Gebühren erstmal verdient werden und jeder Euro, den Du mehr zahlst, drückt Deine Rendite. Das wiederum kann sich über einen langen Zeitraum stark auswirken, Stichwort Folge 11 über die wunderbare Kraft des Zinseszins.

Nun hast Du die für Dich relevanten Faktoren bei der Auswahl Deines ETFs identifizierst.

Dann stellt sich die Frage, wie Du den für Dich passenden ETF findest. 

Wie in Folge 22 über passives Investieren mit ETFs erläutert, gibt es verschiedene Online-Finanzportale mit einer mal mehr, mal weniger guten Suchfunktion, über die man sich zum Ziel filtern kann. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist Sarah genau so vorgegangen. 

Eine andere Möglichkeit wäre es, dass Du den Empfehlungen von unabhängigen Anbietern folgst. Zwei wie ich finde gute Beispiele wären hier die zur Stiftung Warentest gehörende Zeitschrift Finanztest oder das Portal Finanztip.de, die ETF zu den gängigen Indizes empfehlen. 

Die empfohlenen ETFs könntest Du, wenn Du magst, dann auch nochmal hinsichtlich der genannten Charakteristika miteinander vergleichen um unter für gut befundenen ETFs das für Dich passende Wertpapiere zu finden, wobei Du mit den Empfehlungen vermutlich schon ziemlich gut fährst. 

Und dazu noch ein Gedanke: Sarah hat geschrieben, dass sie in fünf verschiedene ETFs investiert hat. Mehrere ETFs auf den gleichen Index zu kaufen, ist in der Regel nicht sinnvoll. Sie meint wahrscheinlich, dass sie fünf ETFs hat, die auf fünf verschiedenen Aktienindizes basieren.

Das kann durchaus sinnvoll sein. Zum Start ist es meiner Meinung nach aber meist ausreichend, mit einem oder zwei ETFs anzufangen, die eine möglichst große Bandbreite hinsichtlich Branchen und Regionen abdecken und dann vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt weiter zu diversifizieren. Da möchte ich in Sarahs Fall aber keine Ferndiagnose wagen. 

ETFs in einzelne Segmente bzw. Themen, zum Beispiel Energie, Versicherungen usw., würde ich zumindest zum Start eher nicht forcieren.

Tagesgeld oder ETFs?

Wie eingangs erwähnt, hatte Sarah eine zweite Frage und zwar fragt sie sich, ob es sich bei den aktuell hohen Tagesgeldzinsen lohnen könnte, viel Geld auf dem Tagesgeldkonto zu parken und es bei sinkenden Zinsen wieder in ETFs anzulegen. 

Also die Überlegung ist: Es gibt Anbieter, die wieder ordentlich Zinsen fürs Tagesgeld zahlen, zum Beispiel 4%. Da könnte man doch mehr als nur den Notgroschen in Tagesgeld anlegen, weil das könnte ja attraktiv sein, wenn man das mit der langfristigen Rendite eines ETFs vergleicht, also zum Beispiel 5-7%. Die Rendite eines ETFs in einem Jahr, die könnte auch mal weniger betragen, als besagte 4%. Also man nimmt 4% für ein Jahr mit und investiert anschließend wieder in den ETF. 

Das ist in der Tat eine spannende Frage. 

Aktien haben in der Vergangenheit über einen langen Zeitraum die höchste Rendite erwirtschaftet, weswegen sich ETFs auf Aktienindizes grundsätzlich bei langfristiger Geldanlage anbieten – das ist kostengünstig und man kann sein Geld unkompliziert und breit gestreut anlegen.

Die Rendite ist natürlich historisch gemessen und wir wissen nicht, wie sich die Märkte in Zukunft entwickeln. Trotzdem würde ich mit Blick auf die historisch starke Rendite für den langfristigen Vermögensaufbau auf Aktien bzw. ETFs setzen. Da gibt es meiner Meinung nach einfach höhere langfristige Renditechancen als beim Tagesgeld.

Das hier wichtige Stichwort lautet langfristig.

Wie Sarah richtig feststellt, kann es auch immer wieder Phasen geben, in denen die Aktienmärkte und somit ETFs schwächer performen. Und somit könnte man in solchen Schwächephasen oder wenn es mal zu einem Rückgang der Märkte kommt, mit einem Tagesgeldkonto durchaus eine höhere Rendite als mit ETFs erzielen.

Die Herausforderung ist, dass Du nicht weißt, wie sich die Märkte entwickeln werden. Also die Antwort auf die Frage, ob es in einem eher kurzfristigen Zeitraum von bspw. einem Jahr mit Blick auf die zu erzielende Rendite besser ist, sein Geld in ETFs zu investieren oder auf einem Tagesgeldkonto anzulegen, diese Antwort weißt Du erst im Nachhinein. Wenn es schlecht läuft, verpasst Du nach einer Schwächephase des Marktes ein kräftiges Comeback der Aktien.

Ein weiterer Punkt bei der langfristigen Geldanlage sind die zu zahlenden Steuern. 

Wenn Du Dein Geld für ein Jahr in Tagesgeld investierst, dann musst Du auf die Gewinne abzüglich des Steuerfreibetrags noch 25% Abgeltungssteuer zahlen. Hinzu kommen gegebenenfalls noch der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer.

Wenn Du Dein Geld hingegen langfristig in ETFs investiert, dann fällt die Steuer auf die Kursgewinne erst beim Verkauf eines Wertpapiers an. Die Steuer wird also auch hier fällig, aber bis es soweit ist, kann sich Dein Geld weiter vermehren. Solange Du den ETF hältst, sind die Kursgewinne vor der Steuer geschützt. Die Steuern auf etwaige Dividenden fallen gleichwohl kontinuierlich an.

Tagesgeld hat Vorteile gegenüber einem Invest in Aktien bzw. ETFs. 

Ein wichtiger Vorteil ist die Liquidität. Also falls Du in absehbarer Zeit Dein Geld benötigst, dann solltest Du es nicht in ETFs investieren. Weil falls die Märkte gerade in einem Tief sind, wenn Du Dein Geld benötigst, dann hast Du einen finanziellen Schaden. 

Tagesgeld hingegen ist praktisch immer direkt in wenigen Tagen verfügbar, wenn Du es benötigst. Also wenn Dir finanzielle Flexibilität wichtig ist, dann bietet sich Tagesgeld durchaus an. Das könnte Dich allerdings auch in Versuchung bringen, immer mal wieder Beträge von Deinem Tagesgeldkonto zu plündern. Bei langfristig in ETFs investiertem Geld ist die Versuchung vielleicht nicht so groß.

Ein weiterer Punkt betrifft die Sicherheit. Tagesgeld ist bei deutschen und vielen europäischen Anbietern bis zu einem Betrag von 100.000 € pro Anbieter im Falle einer Zahlungsunfähigkeit durch die Einlagensicherung geschützt. Weitere Informationen dazu findest Du bspw. Bei Finanztest. 

ETFs sind den Marktschwankungen ausgesetzt. Sie gelten aber wie in Folge 23 erläutert als Sondervermögen. Also wenn die Fondsgesellschaft oder die Depotbank zahlungsunfähig wäre, dann ist das von Dir investierte Geld nicht Teil der Insolvenzmasse des betreffenden Finanzinstituts und somit vor den Ansprüchen von Gläubigern geschützt.

Abschließend lässt sich über Tagesgeld oder ETFs sagen: 

Wenn Du langfristig investierst, wenn Du nicht auf kurzfristigen Zugriff auf Dein Geld angewiesen bist, dann bieten ETFs meiner Meinung nach die besseren langfristigen Renditechancen. 

Wenn Du Dich für Tagesgeld interessierst, 

  • zum Beispiel um Dein Geld für einen gewissen Zeitraum zu parken und trotzdem eine Rendite zu erwirtschaften 
  • oder wenn Du nicht all Dein Geld am Aktienmarkt investieren möchtest 
  • oder wenn Du unter Abwägung der Alternativen die aktuelle Rendite auf Tagesgeld für Dich attraktiv findest, 

dann könntest Du auch sogenanntes Zinshopping machen, auch Tagesgeld-Hopping genannt. Die Idee ist, dass sich die angebotenen Zinsen fürs Tagesgeld andauernd ändern können. Also wenn Du heute ein Tagesgeldkonto eröffnest, dann kann es sein, dass sich der angebotene Zins nach einiger Zeit verbessert. 

Mit Tagesgeld-Hopping nutzt Du diese Veränderungen zu Deinem Vorteil und ähnlich wie bei Strom- oder Versicherungstarifen vergleichst Du in regelmäßigen Abständen die Angebote am Markt und wechselst dann bei Bedarf den Anbieter. Das kann auch den Vorteil bringen, dass Du regelmäßig von Neukunden-Angeboten profitierst. 

Es bedeutet aber auch Arbeit und Du musst aufpassen, dass Du keine Lockangebote abschließt, die am Ende eine geringere Rendite bedeuten und natürlich können die Zinsen ebenso sinken, also die aktuell vergleichsweise hohe Rendite auf Tagesgeld, die kann auch wieder runtergehen, wie in der von 2008 bis 2022 währenden Niedrigzinsphase geschehen.

Eine weitere denkbare Variante wäre es, einerseits ein Tagesgeldkonto zur schnellen Verfügbarkeit zu haben. Zusätzlich könntest Du Dir mit einem Festgeldkonto über zum Beispiel 1, 2 oder 3 Jahre einen attraktiven Zins sichern, wenn Du absehen kannst, dass Du dieses Geld erst nach Ablauf der Frist benötigst. 

Sehr vorsichtig wäre ich immer bei Kombiprodukten. Das meint bspw. ein Angebot, wobei Dir ein sehr attraktiver Festgeldzins in Aussicht gestellt wird, unter der Voraussetzung, dass Du bei dem Anbieter zusätzlich einen bestimmten Aktienfonds oder ein anderes Finanzprodukt erwirbst.

 PS: Das Titelbild ist in New Orleans entstanden.

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