Geldanlage und Vermögensaufbau

Glück an der Börse

Glück an der Börse – da stellt sich die Frage: Hat erfolgreiches Investieren eigentlich mit Können oder mit Glück zu tun? Was ist überhaupt der Unterschied zwischen Können und Glück? Wie könntest Du, als Investor, als Investorin, auf das Glück gucken?

Hier geht es zum Podcast:

Glück an der Börse

Wenn wir erfolgreich investieren, dann neigen wir dazu, diesen Erfolg unseren Fähigkeiten zuzuschreiben. Schlechte Entwicklungen wiederum, da sehen wir eher, dass wir einfach Pech hatten. Das ist ein Widerspruch. 

Wenn ich aufgrund meines Könnens erfolgreich investiere, dann bin ich ebenso für Misserfolge verantwortlich. Oder ich habe Glück und erwirtschafte eine gute Rendite und wenn ich Pech habe, dann rumort es in meinem Portfolio. Um aufzuschlüsseln, ob erfolgreiches Investieren nun an Können oder Glück hängt, sollten wir zunächst besprechen, was das jeweils ist, Glück bzw. Können.

Ganz allgemein ist Glück eine externe Kraft, die ich nicht oder nur wenig beeinflussen kann. Dinge, insbesondere die guten Dinge, geschehen zufällig und nicht aufgrund meiner eigenen Bemühungen oder Fähigkeiten. Wenn ich eine Münze werfe, dann besteht bei jedem Wurf eine 50:50-Chance auf Kopf oder Zahl. Das Ergebnis liegt außerhalb meiner Kontrolle und es ist unvorhersehbar.

Wenn ich hingegen etwas kann, dann kann ich das Ergebnis beeinflussen. Vielleicht habe ich die dafür notwendigen physischen oder kognitiven Fähigkeiten erlernt. In jedem Fall kann ich ein bestimmtes Ergebnis herbeiführen. 

Das Kontinuum von Glück und Können

Der Autor und Finanzstratege Michael Mauboussin meint, dass wir uns das Spannungsfeld von Glück und Können wie ein Kontinuum vorstellen können. Auf der einen Seite sind Dinge, die zu 100% durch Können getrieben sind. Beispiele wären Schach oder ein 100-Meter-Lauf. Umgekehrt ist das Ergebnis einer Lotterie zu 100% durch Glück bestimmt. Die meisten Dinge liegen zwischen diesen beiden Extremen. Also da ist mal mehr oder mal weniger Glück bzw. Können entscheidend.

Laut Mauboussin liegt der Schlüssel zum Erfolg darin, zu wissen, wo man sich auf diesem Kontinuum zwischen Glück und Können befindet. Das lässt sich herausfinden, indem man sich die Frage stellt, ob man absichtlich verlieren kann. Wenn Du absichtlich verlieren kannst, dann ist zumindest zu einem gewissen Grad, Dein Können entscheidend. Und wenn Du es nicht kannst, dann ist auch Glück im Spiel.

Beim Schach kann ich mit Absicht verlieren, bei der Lotterie kann ich das nicht. Beim Investieren ist das ganz nicht so leicht zu beantworten.

Es gibt Anlageformen mit einer planbaren Rendite. 

Beispiel Folge 33 über Investieren in Anleihen. Wenn ich eine Anleihe bis zum Ende der Laufzeit halte, dann weiß ich schon heute, welche Rendite ich damit erzielen werde. Also vorausgesetzt, der Emittent der Anleihe geht nicht pleite. Es gibt aber auch Anlageformen, wo das nicht so ist, zum Beispiel Aktien.

Wenn wir anerkennen, dass sich die Entwicklung von Aktienkursen kurzfristig nicht oder fast nicht vorhersagen lässt, dann ist Erfolg mit Daytrading weitestgehend Glück zuzuschreiben. Daytrading, das beschreibt den sehr kurzfristigen Handel mit Wertpapieren, um von kurzfristigen Kursbewegungen zu profitieren.

Das ist wie wenn man das Ergebnis eines Münzwurfs antizipiert. Man kann mehrmals hintereinander richtig liegen, aber das hat wenig mit Fähigkeit zu tun, sondern das ist Glück. 

Beim Daytrading spekuliere ich auf kurzfristige Kursänderungen. Und Spekulation ist definitionsgemäß eine auf bloßen Annahmen oder Mutmaßungen beruhende Erwartung, dass etwas eintrifft. Nur die Märkte bewegen sich kurzfristig nicht zwingend rational. Mancher mag mir da widersprechen und mit Trading-Strategien argumentieren. Meiner Meinung nach ist das Ergebnis bei Daytrading in den meisten Fällen aber stark durch Glück beeinflusst.

Oder wie Mauboussin sinngemäß gesagt hat: Wenn das Glück wenig Einfluss hat, wird ein guter Prozess immer zu einem guten Ergebnis führen. Und das ist beim Daytrading in der Regel nicht der Fall. 

Warren Buffett hat nicht einfach nur Glück an der Börse

Gleichzeitig gibt es Investoren wie Warren Buffett und Charlie Munger, die in langen Zeiträumen denken und handeln und die über Jahrzehnte sehr erfolgreich sind. Vielleicht hatten sie zwischendrin, also über kurze Zeiträume, Glück bzw. Pech. Aber sie sind aufgrund ihres Könnens langfristig nachhaltig so erfolgreich. 

Man könnte das auch allgemeiner ausdrücken: Wenn man sein Geld nicht in festverzinslichen Wertpapieren wie zum Beispiel Anleihen oder Festgeld anlegt, dann sind Anlageergebnisse auf kurze Sicht stark durch Glück beeinflusst. Doch je länger der Zeithorizont ist, desto wichtiger sind die Fähigkeiten eines Anleger für den Investmenterfolg.

Und das ist das Gefährliche: Man kann kurzfristig sehr erfolgreich sein, wenn man einen Glückstreffer landet. Wenn man diesen Erfolg fälschlicherweise seinem Können zuschreibt, dann kann es passieren, dass das eigene Portfolio bei der nächsten Marktkorrektur weggefegt wird. 

Es ist also wichtig zu wissen, ob ein kurzfristiger Investment-Erfolg wirklich den eigenen Fähigkeiten geschuldet ist, oder ob man einfach nur Glück gehabt hat. 

Der Investor Ian Cassel meint zu Glück an der Börse:

Der größte Trick, den der Markt Anfängern vorspielt, besteht darin, sie glauben zu lassen, Glück sei Können. Er wartet darauf, dass sie Ihren nächsten Einsatz verdoppeln oder verdreifachen, und dann erteilt er ihnen eine Lektion.

Vielleicht hast auch Du in Deinem Bekanntenkreis jemanden, der mit einem Investment richtig erfolgreich war. Vielleicht beruht dieser Erfolg auf Können, vielleicht war das aber auch nur Glück. Es wird immer Anleger geben, die die nächste Superaktie finden. 

In diesem Zusammenhang ist ein Gedankenexperiment des Autors Nassim Nicholas Taleb interessant. Wenn man 10 Personen darum bittet, 10 Mal eine Münze zu werfen, dann ist es unwahrscheinlich, dass einer von ihnen achtmal hintereinander Kopf wirft. Wenn man den gleichen Versuch aber mit 10.000 Personen durchführt, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass mehrere dieses Kunststück vollbringen. 

Also wenn die Stichprobe nur groß genug ist, dann kann man davon ausgehen, dass es mehrere so erfolgreiche Münzwerfer gibt, wobei das natürlich eine winzige Minderheit sein wird. Das ist die Natur des Zufalls. Es gibt lange Reihen von positiven und negativen Ereignissen, auch wenn sie unwahrscheinlich erscheinen.

Weltweit gibt es Abertausende, die in Aktien investieren. Also allein aufgrund des Zufalls wird es in jedem Zeitraum einige geben, die den Markt schlagen. Daraus kann man nicht schließen, dass diese Outperformance auf ihre Fähigkeiten zurückzuführen ist. Vielleicht hatten sie so wie die Münzwerfer einfach Glück.Nur auf Glück sollte man keine Investmentstrategie aufbauen. 

Beim Investieren spielen Fähigkeiten eine Rolle, aber nur auf lange Sicht. Das unterstreicht die Wichtigkeit, einen langfristigen Blick einzunehmen. Und das verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass man ernsthaft hinterfragt, ob man diese Fähigkeiten hat. Falls nicht, wäre ein passiver Investmentansatz, mit dem man den Markt in seiner Breite abdeckt und bei dem man dann langfristig investiert ist, deutlich vielversprechender. 

Ok, kurzfristig kann Glück ein wesentlicher Faktor für erfolgreiches Investieren sein.

Auf lange Sicht sind die Fähigkeiten wichtig.

Und ja, passives Investieren ist, wie öfters in diesem Blog bzw. Podcast erläutert, gar nicht verkehrt. Was bedeuten Glück und Können aber nun, wenn ich in Einzelaktien investieren möchte?

Man könnte zum Beispiel die Eintrittswahrscheinlichkeit von Pech reduzieren, indem man in etablierte Firmen investiert, die über einen langen Zeitraum profitabel gearbeitet haben. Das ist oft auch ein Anzeichen für einen starken Burggraben, Stichwort Folge 52. 

Solche Firmen werden vielleicht nicht so explosionsartig wachsen, wie junge und innovative Unternehmen. Aber dafür sind auch unerwartete Verluste weniger wahrscheinlich, als bei Firmen mit gänzlich neuem Geschäftsmodell oder Produkt, deren Erfolg sich erst in der Realität beweisen muss.

Wie bereits erwähnt, ist Glück eine externe Kraft, die ich nicht oder nur wenig beeinflussen kann. 

Bei Aktien wären das zufällige und unvorhersehbare Ereignisse, die den Kurs beeinflussen. Ein heftiges aber anschauliches Beispiel wäre die Corona-Pandemie. Das Leben stand von heute auf morgen weitestgehend still, wir sind ins Home Office gegangen, Urlaube sind ausgefallen. Da haben bspw. manche Techfirmen von profitiert, während der Tourismus eine schwere Zeit hatte. 

Je nachdem, ob ich von den einen oder von den anderen Aktien hielt, konnte ich davon profitieren oder mein Portfolio erlitt Verluste. In jedem Fall war das nicht vorhersehbar und da hätte mir meine Fähigkeiten wenig geholfen. 

Meine Fähigkeiten einzusetzen bedeutet im Zusammenhang mit Aktien, dass ich kalkulierte Entscheidungen treffe, die auf Recherche, Analyse und Fachwissen beruhen. 

Wenn ich Aktien kaufe, auf deren langfristigen Erfolg ich setze, dann habe ich mir eine fundierte Meinung darüber gebildet, ob das Unternehmen finanziell solide aufgestellt ist, ob es im Wettbewerb reüssieren kann und ob seine Produkte auch in Zukunft nachgefragt sind. 

Also kurzfristig können sich die Aktienmärkte sehr irrational bewegen und sie sind anfällig für Störgeräusche. Langfristig sind Aktienkurse getrieben von steigenden Umsätzen und Gewinnen. Das ist der schon öfters in diesem Podcast angesprochene Punkt: Wenn ich in Einzelaktien investieren möchte, dann sollte ich der Überzeugung sein, dass ich diese Analyse und Einschätzung leisten kann, dass sie sich langfristig gut entwickeln. Wenn dem nicht so ist, dann kann ich einen Glückstreffer landen, aber ich sollte nicht mein finanzielles Wohlergehen darauf stützen. 

Ein wichtiger Unterschied zwischen Glück und Können ist Beständigkeit.

Glück bietet keine Gewähr für langfristigen Erfolg. Ich kann mal Glück haben, aber mich auf mein Glück zu verlassen ist eben ein Glücksspiel. Wenn ich hingegen relevantes Können habe und dieses einsetze, dann kann ich auch bei kurzfristigem Glück bzw. Pech über einen langen Zeitraum erfolgreich sein. Und das gilt nicht nur für die Auswahl bestimmter Aktien, sondern auch für das Management von Risiken. 

Da erinnern wir uns an Howard Marks aus Folge 7 über Risiko an der Börse: Seiner Überzeugung nach schaffen erfolgreiche Investoren eine Asymmetrie. Sie erwirtschaften langfristig überdurchschnittliche Erträge mit durchschnittlichem Risiko. Oder sie erwirtschaften durchschnittliche Erträge mit unterdurchschnittlichem Risiko. 

Glück hingegen ist ja nur die positive Seite des Zufalls. Man kann ebenso Pech haben, wenn man nicht genau weiß, was man wie und warum tut. Und wenn es unsere Entscheidungen sind, die entweder auf Können beruhen oder die anfällig für Glück bzw. Pech sind, dann müssen wir verstehen, wie wir diese Entscheidungen treffen. 

Sind wir beeinflusst, durch die Aussagen einer vermeintlichen Autorität, wie in Folge 5 über Autoritätsgläubigkeit besprochen, durch Emotionen wie Verlustaversion aus Folge 10, oder haben wir eine verzerrte Wahrnehmung durch zum Beispiel Confirmation Bias aus Folge 28.

Also die Frage ist: treffen wir gut informierte Entscheidungen oder sind unsere Entscheidungen eher impulsiv, unüberlegt und sonstwie beeinflusst? Wobei unüberlegten Entscheidungen keine langfristige Strategie zugrundeliegt, sondern aufgrund von Einzelinformationen wird dauernd neu entschieden.

Abschließend lässt sich über Glück an der Börse sagen:

Wenn wir die Rolle von Glück beim Investieren erkennen, dann werden wir vielleicht mancher kurzfristigen Versuchung nicht erliegen und auch vorsichtiger vorgehen und weniger zocken. 

Glück oder auch der Zufall spielt in vielen Aspekten des Lebens eine wichtige Kraft, wahrscheinlich mehr, als uns das bewusst ist. Wir sollten uns der Präsenz von Glück bewusst sein. Wenn man ein Investment tätigt, sollte man hinterfragen, inwiefern ein Investment anfällig für zufällige Ereignisse ist oder was alles gut laufen muss, damit es ein Erfolg wird. 

Gleichzeitig kann jederzeit etwas Unvorhersehbares passieren. Das kann ich nicht einplanen. Ich kann mich nur dafür wappnen, zum Beispiel indem ich nicht alle Eier in einen Korb lege und diversifiziere und indem ich einen langen Atem habe, also nicht kurzfristig an mein Geld muss. 

Darüber hatte ich in Folge 21 über die Kunst ein Vermögen zu erhalten gesprochen: Wenn Du ein Vermögen aufbaust und langfristige finanzielle Ziele verfolgst, dann willst Du das Erreichte nicht ins Risiko stellen. Es geht darum zu überleben und dafür sollte man sich auch des Zufalls, des Glücks bzw. Pechs bewusst sein.

Deswegen abschließend der erneute Hinweis: Das Investieren in Einzelaktien kann toll sein. Man muss sich seiner Sache aber sehr sicher sein. Man muss die Zuversicht haben, dass die eigenen Fähigkeiten langfristig das Ergebnis positiv beeinflussen und man darf sich durch kurzfristige Glückstreffer nicht beirren lassen und übermütig werden. 

Eine Alternative kann ein passiver und breitgestreuter Investmentansatz mit zum Beispiel ETFs sein. Das ist erprobt und da erwirtschaftet man historisch betrachtet über einen langen Zeitraum eine ordentliche Rendite.

PS: Das Beitragsbild ist in Berlin entstanden

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