Geldanlage und Vermögensaufbau

Sparen mit der Umschlagmethode

Sparen mit der Umschlagmethode: Was ist die Umschlagmethode und wie kann man mit ihr sparen und budgetieren? Für wen ist die Umschlagmethode geeignet, welche Vorteile hat sie und was kann man vielleicht auch kritisch betrachten?

Hier geht es zum Podcast:

Der richtige Umgang mit dem lieben Geld, ordentlich Haushalten, das ist ein Dauerbrenner. 

Und seit einiger Zeit ist gerade in den sozialen Medien die sogenannte Umschlagmethode oder auch Cash Stuffing ein absoluter Trend. 

Vereinfacht gesagt teilt man bei der Umschlagmethode sein Budget auf verschiedene Umschläge auf, anfallende Ausgaben werden dann mit dem Geld aus den Umschlägen beglichen.

Das klingt unspektakulär und ziemlich simpel. Und das ist es auch bzw. Es ist gerade diese Einfachheit, die die Umschlagmethode so beliebt und auch effektiv macht.

Das ist auch kein neues Prinzip. Früher haben die meisten Menschen ihr Gehalt wöchentlich oder monatlich in bar ausgezahlt bekommen. Und viele verteilten ihr Geld auf verschiedene Briefumschläge, um besser planen zu können und ihre Ausgaben im Blick zu behalten. 

Es geht also um Transparenz über die eigenen Finanzen, um Kostenkontrolle, um solides Haushalten und um effektives Sparen.

Der Ausgangspunkt für das Sparen mit der Umschlagmethode ist das eigene Budget. 

Da sind wir beim Haushaltsbuch, über das ich bereits in Folge 1 über die ersten Schritte der Geldanlage gesprochen habe. 

Ein Haushaltsbuch dient nicht nur der Schuldenprävention. Sondern es hilft ebenfalls dabei, die monatlichen Einnahmen und Ausgaben festzuhalten und daraus dann ein Budget abzuleiten. Das Haushaltsbuch führt zu mehr Transparenz der eigenen Finanzen.

Man kann nachvollziehen, wofür man wie viel Geld benötigt bzw. ausgibt, also zum Beispiel für Lebensmittel, Kleidung oder Restaurantbesuche. Man kann nachvollziehen, wie viel Geld zum Sparen und Investieren am Ende aller Ausgaben übrig bleibt. 

Und man kann ebenfalls das eigene Ausgabeverhalten reflektieren, Ausgaben optimieren und Einsparpotenziale identifizieren.

Wie funktioniert das Sparen mit der Umschlagmethode in der Anwendung?

Du hast Dein monatliches Budget wie in Folge 1 beschrieben erstellt. Und dieses Budget unterteilt sich in fixe Kosten, zum Beispiel Miete oder Versicherungen und in variable Kosten, also zum Beispiel Lebensmittel, Drogerie oder auch der Betrag, den Du für Urlaube zurücklegst.

Die fixen Kosten sind gesetzt und es bietet sich an, deren Zahlung zu automatisieren. Also wenn kein Lastschriftverfahren angewendet wird, könntest Du einen Dauerauftrag anlegen, mit dem zum Beispiel jeden Monat Deine Miete bezahlt wird. 

Hier muss man nur etwas aufpassen, weil manche dieser fixen Ausgaben nur unregelmäßig anfallen, also zum Beispiel einmal im Jahr. Also vielleicht wird für eine bestimmte Versicherung nur einmal im Jahr Geld vom Konto eingezogen. Das sollte man einplanen und bspw. Monatlich ein Zwölftel des Betrags zurücklegen.

Und nun wird das restliche verfügbare Geld, also Deine Einnahmen abzüglich der fixen Kosten, zum Monatsanfang komplett in bar abgehoben und in die jeweils zugeordneten Budgets unterteilt

Das wäre die reine Lehre der Umschlagmethode. Ich persönlich würde leicht anders vorgehen und nur die variablen Kosten und vielleicht etwas Puffergeld abheben. Und das Geld, das ich spare, würde ich auf dem Konto lassen, bzw. Eine Ansparung für einen Urlaub könnte zum Beispiel auf ein Tagesgeldkonto und langfristig investiertes Geld wandert direkt in mein Depot. Es kann ebenso sinnvoll sein, eher wöchentlich oder alle zwei Wochen Geld zu holen, als das ganze Monatsbudget auf einmal abzuheben.

Jedenfalls hast Du das Geld abgehoben, entsprechend der Budgets bzw. Kategorien aufgeteilt und nun kommen die Umschläge ins Spiel.

Die Umschläge werden entsprechend der Kategorien beschriftet und es wird das jeweilige Budget eingezahlt. 

Du hast also bspw. Einen Umschlag für die Kategorie Lebensmittel, einen für Freizeit, einen für Kleidung usw. Und eben auch einen Umschlag mit Deinem Puffergeld, das könnte das Item “Sonstiges” sein.

Man kann das auch noch weiter aufsplitten, indem man je Kategorie oder für bestimmte Kategorien einen Umschlag je Woche hat, den man entsprechend nummeriert. Also für Kleidung gibst Du vielleicht nicht wöchentlich Geld aus, da reicht ein Umschlag. Für Lebensmittel hingegen kann die Wochenbasis hilfreich sein. 

Eine Sonderkategorie sind die sogenannten Sinking Funds, auf Deutsch könnte man das mit Tilgungsfonds übersetzen. Konkret bedeutet dies, dass bestimmte Beträge in mehreren Raten getilgt bzw. erspart werden.

Bei der Umschlagmethode werden Sinking Funds dazu genutzt, um auf bestimmte Geldbeträge hinzusparen. Das können bspw. Fixkosten sein, die aber nur einmal im Jahr oder vierteljährlich auftreten. 

Also angenommen, Beispiel von eben, die Gebühr für eine Versicherung wird jährlich bezahlt, dann könnte dieser Betrag durch 12 geteilt werden und jeden Monat legst Du diesen zurück. Ein weiterer Anwendungsfall sind größere Anschaffungen. Wenn Du bspw. in ungefähr einem Jahr 900 € für einen Urlaub benötigst, dann könntest Du jeden Monat 75 € zurücklegen. 

Umschlagmethoden-Profis unterscheiden zwischen Sinking Funds 1 und Sinking Funds 2. 

Sinking Funds 1 wären Kosten, die eine bestimmte Deadline also Frist haben. Das wäre das Beispiel der Versicherung.

Sinking Funds 2 sind Beträge, bei denen das Datum oder der genaue Betrag nicht zu 100% feststeht. Neben der genannten Finanzierung einer Reise können das zum Beispiel auch Nachzahlungen aus der Nebenkostenabrechnung Deiner Wohnung sein. 

Das Geld wurde also auf die verschiedenen Umschläge verteilt. Und alle anfallenden Ausgaben werden nun mit dem Geld aus dem jeweiligen Umschlag bezahlt.

Manche organisieren ihre Umschläge in einer Mappe, also zum Beispiel ein Hefter mit Klarsichthüllen, in die die jeweiligen Umschläge kommen. Man könnte zudem wie beim Haushaltsbuch die Ausgaben je Kategorie in einer Liste notieren. Das hilft der Transparenz über Deine Finanzen und Du kannst mögliche Einsparpotenziale identifizieren oder Budgets wenn nötig anpassen. 

Am Monatsende erfolgt dann das sogenannte Unstuffing. Das bedeutet: Nicht ausgegebenes Geld wird wieder aus den Briefumschlägen rausgenommen. Und dieses Geld wird gespart, also zum Beispiel auf das Tagesgeldkonto eingezahlt und für den Urlaub zurückgelegt oder das Geld kommt ins Depot und wird investiert.

Das Sparen mit der Umschlagmethode ist wirklich nicht kompliziert und wie zuvor dargelegt, macht sie gerade diese Einfachheit so effektiv. 

Welche weiteren Vorteile und vielleicht auch Nachteile hat die Umschlagmethode?

Meiner Meinung nach ist die Umschlagmethode sehr hilfreich, ein besseres Bewusstsein über die eigenen Finanzen, den eigenen Haushalt aber auch über das eigene Ausgabeverhalten zu entwickeln.

Wenn ein Umschlag leer ist, dann kann ich nicht mehr Geld für diese Kategorie ausgeben. Das kann mich zukünftig disziplinieren. 

Und wenn ich die Umschlagmethode richtig anwende, dann vermeide ich Überraschungen, also zum Beispiel, dass am Monatsende kein Geld für bestimmte Ausgaben da ist oder auch bei unregelmäßigen Kosten, für die ich einen Sinking Funds angelegt habe.

Das Bargeld, das ich auch noch extra aus dem Umschlag herausnehme, das macht einerseits die Ausgabe bewusster, als einfacher nur mit Karte zu bezahlen. Und wenn ich in einem Umschlag am Ende des Monats noch Geld übrig habe und ich das eingesparte Geld zurücklege, dann habe ich einen unmittelbaren finanziellen Vorteil. Zudem ist gesparte Geld in meinen Händen auch kein abstrakter Kontoauszug, sondern regelrecht greifbar.

Vielleicht hinterfrage ich auch, warum ich zuvor mehr Geld für diese Kategorie ausgegeben habe, ob mich das wirklich glücklicher macht. Und möglicherweise entdecke ich Sparpotenziale und passe mein Budget an. Oder ich bin sehr motiviert, diese und weitere Einsparungen zu wiederholen. Und dann könnte ich auch einen spielerischen Ansatz machen mit einer Spar-Challenge, Stichwort Folge 45 über Neujahrsvorsätze für Dein Geld.

Die Umschlagmethode ist aber immer nur so gut, wie ich sie einsetze. 

Angenommen mein Umschlag mit dem Freizeit-Budget ist schon leer und ich reagiere, indem ich das Lebensmittel-Budget plündere, dann ist das nicht im Sinne eines ordentlich geführten Haushalts und ich beschummel mich selbst.

Auch wenn die Umschlagmethode simpel ist, so erfordert sie in der Anwendung auch etwas Zeit. Das muss man schon wollen. Und damit es simpel ist, muss es übersichtlich sein. Man sollte also nicht kleinteilig werden und mit zu vielen kleinen Kategorien arbeiten.

Es gibt auch Risiken. Wenn ich mein Monatsbudget in Umschlägen verwahre und diese kommen abhanden, dann habe ich ein Problem.

Und bei all seinen Vorteilen ist der Einsatz von Bargeld in unserer digitalen Zeit auch nicht immer praktikabel oder gewährleistet.

Fazit zum Sparen mit der Umschlagmethode

Ich finde, dass die Umschlagmethode eine gute Methode ist, um effektiv zu budgetieren und einen besseren Überblick über die Ausgaben und das eigene Ausgabeverhalten zu erhalten. 

Und ich finde es auch gut, dass viele Menschen in den sozialen Medien mit großer Leidenschaft ihre Erfahrungen mit der Umschlagmethode teilen. Das kann für andere motivierend sein und es trägt in jedem Fall dazu bei, dass wir uns insgesamt mehr mit unseren Finanzen beschäftigen und ein besseres Verständnis für Geld entwickeln.

Mir gefällt gerade die Einfachheit und ich glaube, dass der Akt von Geld in Umschläge stecken und bei jedem Bezahlvorgang bewusst wieder Geld zu entnehmen, sehr hilfreich ist, um das eigene Bewusstsein über Geld und über Ausgaben zu stärken. Und man kann mit der Umschlagmethode ebenfalls eine gute Spar-Routine entwickeln.

Wichtig ist, dass man das Budget nicht statisch begreift. Einkommensverhältnisse ändern sich, Bedürfnisse ebenso und manches Sparpotenzial entdeckt man erst, wenn man sich über einen längeren Zeitraum mit dem eigenen Budget beschäftigt. Entsprechend sinnvoll kann es also sein, die eigenen Ausgaben nicht nur zu tracken, sondern regelmäßig zu prüfen, ob man das Budget nicht etwas anpasst.

Wichtig ist natürlich ebenfalls, dass bei einem gemeinschaftlichen Haushalt beide Partner hinter der Umschlagmethode stehen. Man könnte auch Kinder in die Umschlagmethode mit einbeziehen, indem man einen speziellen Umschlag für ihr Taschengeld einrichtet. Hierdurch bietet sich die Chance, dass auch Kinder schon einen reflektierten Umgang mit ihrem Geld erlernen.

Manche monieren, dass einem mit der Umschlagmethode anfallende Zinsen verloren gehen, zum Beispiel wenn man mit einem Sinking Funds auf einen Betrag hinspart. Das stimmt, wobei die zurückgelegten Beträge in der Regel eher überschaubar sind. Und ein Sinking Funds muss auch nicht in einem Umschlag verwahrt werden. Der kann ebenfalls auf ein Tagesgeldkonto eingezahlt werden.

PS: Das Titelbild ist in Costa Rica entstanden.

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