Geldanlage und Vermögensaufbau

Die Finanzen der Gen Z

Die Finanzen der Gen Z oder auch über junge Menschen der Generation Z und ihrem Blick auf das Thema Finanzen. Ich werde mich in diesem Beitrag damit beschäftigen:

  • Wer die Gen Z ist
  • Wie sie zumindest im Durchschnitt finanziell dasteht
  • Was wir über ihren Umgang mit Finanzen wissen
  • Was junge Menschen beim Thema Geld vielleicht besonders beachten könnten

Hier geht es zum Podcast:

Die Finanzen der Gen Z

Bei der Betrachtung der Nutzungszahlen des Podcasts ist mir aufgefallen, dass nicht wenige Hörerinnen und Hörer der Generation Z angehören.

Die Generation Z oder auch Gen Z, das sind Menschen, die zwischen 1997 und 2012 geboren wurden. Sie sind heute also 12-27 Jahre alt.  Jugendliche sind vermutlich weniger die Zielgruppe des Podcasts bzw. Blogs und tatsächlich weist bspw. Spotify mir auch keine Hörer unter 18 Jahren aus. 

Aber der Anteil der 18-27 jährigen ist schon recht hoch. Und was mich verblüfft hat ist, dass es in diesem Alterssegment sehr viele Hörerinnen gibt. Insgesamt liegt der Anteil weiblicher Hörer dieses Podcasts bei ca. 20-25%. Bei jungen Menschen ist der Anteil nochmal deutlich höher. 

Das finde ich schon enorm: In den letzten Jahren haben immer mehr Frauen das Thema Finanzen für sich entdeckt. Aber es ist insgesamt – leider – immer noch eine recht männliche Domäne, was sich exemplarisch auch an 75% Männeranteil bei den Hörern dieses Podcasts zeigt. 

Bei den jungen Menschen scheint das allerdings anders zu sein. Das finde ich spannend und das führt mich zu der Frage: 

  • Wie schauen junge Menschen, die Gen Z, auf das Thema Finanzen? 
  • Gehen sie anders mit Geld um oder blicken sie anders auf Dinge wie finanzielle Sicherheit als zum Beispiel die Generation Y, auch Millennials genannt, also derjenigen, die in den 80er und 90er Jahren geboren wurden?

Wer genau ist eigentlich die Generation Z? 

Die Generation Z, das sind laut der Zeitschrift Economist etwa zwei Milliarden Menschen weltweit, davon ca. 250 Millionen in den Industrienationen und die strömen in die Arbeits- und Geschäftswelt.

Ungefähr die Hälfte von ihnen ist mittlerweile erwerbstätig, in den USA übersteigen sie bald die Zahl der vollbeschäftigten Babyboomer, also der Nachkriegsgeneration. Und nicht nur Marketingstrategen fragen sich angesichts der hohen Anzahl und einer perspektivisch immer weiter steigenden Kaufkraft, wie diese Bevölkerungsgruppe überhaupt tickt. 

Wie alle Menschen ist auch die Gen Z geprägt von ihren Erfahrungen. Darüber habe ich in Folge 26 über die Summe Erfahrungen gesprochen: Wie wir denken, unsere Überzeugungen, Ziele, die wir verfolgen, unsere Risikobereitschaft, Ängste und wie wir Entscheidungen treffen, das alles ist stark geprägt durch unsere Erfahrungen. 

Also individuell sind das zum Beispiel die Erziehung und das soziale Umfeld. Eine Generation insgesamt kann auch durch größere Ereignisse geprägt sein. Ein Beispiel wäre die Generation, die das Leid und die Entbehrungen während des Zweiten Weltkriegs erlebt hat und die davon entsprechend geprägt ist. 

Die Gen Z ist bspw. Stark durch das Internet, Smartphones und soziale Medien geprägt. Das kann sich darauf auswirken, wie man persönliche Kontakte pflegt, wie man Medien konsumiert und wie man sich informiert. Bei vielen Millenials war die Finanzkrise 2007 bis 2009 ein prägendes Ereignis. Die traf gerade junge Menschen sehr stark und das war just die Zeit, als viele der Millenials ins Berufsleben eintraten oder es zumindest wollten. Auch nach 2010 war Jugendarbeitslosigkeit in Ländern wie Spanien oder Griechenland ein riesiges Problem. Das macht was mit den Menschen. 

Bei der Gen Z hingegen gibt es das Vorurteil, dass Work-Life-Balance sehr wichtig ist und der Beruf nicht mehr die Priorität hat, wie es vielleicht bei anderen Generationen war. Das kann und will ich gar nicht beurteilen. Aber natürlich sind diese Menschen in einer gänzlich anderen Situation.

Heute ist die Jugendarbeitslosigkeit in den Industrienationen auf dem niedrigsten Stand seit Anfang der 90er Jahre.

In Griechenland hat sich die Jugendarbeitslosenquote seit ihrem Höchststand halbiert. Und in Deutschland ist ein beherrschendes Thema der Fachkräftemangel.

Wer heute auf den Arbeitsmarkt kommt, der erlebt eine hohe Nachfrage der Arbeitgeber. Das macht die Arbeitssuche nicht nur leichter. Das macht auch selbstbewusster, was sich zum Beispiel in Fragen der Gehaltsverhandlung zeigt. Laut dem Economist neigt die Gen Z auch eher dazu, den Job zu wechseln, wenn ein höheres Gehalt lockt.

Und das ist ja durchaus verständlich: Wenn der Arbeitsmarkt sehr angespannt ist, dann bin ich vermutlich froh, überhaupt einen Job zu haben. Wenn hingegen die Arbeitgeber um mich buhlen, dann versuche ich auch für mich zu optimieren. 

Das ist tatsächlich ein Widerspruch zum Klischee, dass die Gen Z gar nicht arbeiten will. Vielleicht hat sie auch nur verstanden, dass sie an einem längeren Verhandlungshebel sitzt, als die Millienials zur Finanzkrise.

Ansprüche können natürlich auch überzogen oder weltfremd sein. Aber grundsätzlich kann man die Nutzung der Verhandlungsmacht der Gen Z nur schwer zum Vorwurf machen. Und sie ist damit durchaus erfolgreich. In den USA haben sich die Stundenlöhne bei den 16-24 jährigen jüngst um 13% erhöht. Bei den 25-54 jährigen waren es nur 6%. In Großbritannien oder auch Neuseeland war die Entwicklung ähnlich.

2007 verdienten die 16-24 jährigen in Frankreich 87% des Durchschnittseinkommen im gesamten Land. Jetzt liegt der Wert bei 92%. Und auch wenn sie noch am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn steht, verdient die Gen Z in bspw. Kroatien und Slowenien so viel wie der Durchschnitt.

Demgegenüber stehen natürlich ebenfalls steigende Kosten, Stichwort Folge 3 über das Gespenst der InflationUnd tatsächlich sind die Immobilienpreise weltweit so hoch wie nie zuvor und viele Studienabsolventen tragen hohe Schulden. 

Die Zeitschrift Economist argumentiert, dass die Gen Z finanziell jedoch sehr gut zurechtkommt, weil sie so viel verdient.

2022 gaben Amerikaner unter 25 Jahren über 40% ihres Nettoeinkommens für Wohnen und Bildung aus, inkl. Zinsen für Schulden. Und das war tatsächlich etwas weniger als der Durchschnitt der unter 25-Jährigen von 1989 bis 2019. Und ja, die Wohneigentumsquote jüngerer Menschen ist geringer als bei vorigen Generationen im gleichen Alter. Bei der Gen Z ist sie – zumindest in den USA – allerdings höher als bei den Millennials im gleichen Alter.

Also zusammengefasst: Wenn wir verstehen möchten, wie die Gen Z in finanziellen Dingen tickt, dann ist es zunächst wichtig, ihre finanzielle Situation zu verstehen. 

Die Welt ist in einer schwierigen Lage und es gibt viel Unsicherheit – Klimawandel,  wirtschaftliche Herausforderungen, politische Krisen und Umbrüche durch technologische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz.

Und die Zukunft ist natürlich ungewiss. Aber falls schwelende Konflikte größer werden oder eskalieren, also zum Beispiel zwischen China und den USA und es kommt in der Folge zu einer Rezession, dann würde dies jüngere Menschen tendenziell stärker treffen als ältere, die ökonomisch betrachtet bereits gefestigter sind. 

Aber insgesamt kann man festhalten, dass die finanzielle Situation der Gen Z, also der Menschen unter 28 Jahren, im Vergleich zur vorigen Generation der Millenials im gleichen Alter gar nicht so schlecht ist.

Kommen wir zu den Finanzen der Gen Z, genauer gesagt der Beschäftigung mit dem eigenen Geld und dem Vermögensaufbau. 

Umfragen zeigen hier immer wieder, dass sich sowohl die Millenials als auch die Generation Z im Vergleich zu älteren Altersgruppen überproportional für das Thema persönliche Finanzen interessieren.

Und was ich besonders spannend finde ist, dass das Thema Geld gerade bei jüngeren Menschen weniger tabubehaftet ist. Der Zahlungsdienstleister Klarna hat bspw. herausgefunden, dass über 70% der Gen Z regelmäßig mit Familie oder Freunden über das Thema Geld sprechen. Zum Vergleich: Bei über der Hälfte der Babyboomer, also der Nachkriegsgeneration, wird das Thema Geld im Freundeskreis oder in der Familie überhaupt nicht adressiert.

Das kann natürlich auch daran liegen, dass Finanzen durch Apps oder Influencer heutzutage auch viel präsenter in unserem Leben sind. Heute können wir mit Online-Depots und zum Beispiel mit ETFs ziemlich leicht und günstig investieren. Das war vor wenigen Jahren noch anders. 

Und gerade bei jüngeren Menschen erlebe ich immer wieder, dass sich mit Themen wie der Rente beschäftigen und sich Gedanken machen, wie sie zusätzlich privat vorsorgen können.

Studien bestätigen, dass die Gen Z ein verhältnismäßig hohes Sicherheitsbedürfnis hat, was zuvor bei jüngeren Menschen nicht so stark ausgeprägt war. Hier schließt sich etwas der Kreis über die zuvor genannte Summe der Erfahrungen. Also bei diesem Sicherheitsbedürfnis mag es durchaus eine Rolle spielen, dass die Gen Z in den letzten Jahren Dinge wie Corona, Inflation und Energiekrise erlebt hat.

Das Interesse der Gen Z an Finanzen ist absolut begrüßenswert.

Und ich finde es ebenfalls gut, dass Finanzen gerade von jungen Menschen auch mehr in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Darüber hatte ich in Folge 68 über das Sparen mit der Umschlagmethode gesprochen: Es gibt sehr viele Menschen, die sich über dieses und andere Themen online austauschen, sich gegenseitig motivieren. 

Das zeigt sich auch an der Klarna-Studie. Demnach legt ein Großteil der Gen Z und auch der Millennials ein Budget fest, um mit ihrem verfügbaren Geld zu wirtschaften und um zu sparen. Bei den Babyboomern sind das deutlich weniger, ungefähr die Hälfte.

Und überhaupt scheint die Gen Z die neuen technologischen Möglichkeiten ziemlich selbstverständlich zu adaptieren: die Mehrheit prüft wöchentlich ihren Kontostand, ungefähr die Hälfte hat einen Überblick über ihre Ersparnisse und ebenfalls die Mehrheit verwaltet ihre Ausgaben und kategorisiert sie oft sogar. 

Diese Beschäftigung mit Finanzen, die Diskussion, der gegenseitige Austausch: Das ist neu und das finde ich wirklich super. 

Gibt es Dinge, die gerade junge Menschen mit Blick auf Finanzen beachten könnten oder sollten?

Social Media ist ein zweischneidiges Schwert. Und auch bei Finanzen gibt es ein paar Dinge, bei denen man aufpassen sollte. Stichwort Expertentum über das ich bereits in Folge 5 über Autoritätsgläubigkeit gesprochen habe: Gerade in den sozialen Medien sollte man für sich kritisch prüfen, wer der Absender von Finanzwissen ist, ob er oder sie wirklich Experte ist, also wodurch der Expertenstatus belegt ist und ob er oder sie aufrichtig auftritt oder ob vielleicht eine versteckte Agenda verfolgt wird. 

Weil auch das zeigt sich in Studien: Social Media wird auch bei Finanzen immer beliebter und das ist natürlich insbesondere bei jüngeren Menschen wie Gen Z der Fall. 

Gleichzeitig weist zum Beispiel die Fondsgesellschaft Union Investment darauf hin, dass gerade die Gen Z ihr eigenes Anlagewissen häufig überschätzt und trotz des großen Interesses für Finanzen in Tests über Finanzbildung schlechter abschneidet als ältere Generationen.

Das wäre vielleicht eine allgemeingültige Aussage: Gerade jüngere Anlegerinnen und Anleger sollten sich darüber bewusst sein, dass sie noch am Anfang stehen. Dass sie viele Situationen vielleicht noch nicht erlebt haben, also vielleicht manche Lektion noch nicht gelernt haben oder dass sie noch nicht gespürt haben, wie es sich anfühlt, wenn bspw. Eine breite Abwärtsbewegung an den Märkten stattfindet und das eigene Depot um vielleicht 30% absackt. 

Und insbesondere als junger Anleger sollte man aufpassen und die Entwicklung der jüngsten Vergangenheit nicht einfach auf die Zukunft extrapolieren. Also wenn man seit kurzem investiert und man hat bspw. Ein paar Tech-Aktien im Portfolio, die sehr stark gestiegen sind und die haben eine ordentliche Rendite beschert. Dann besteht die Gefahr, dass man diese Performance für die Märkte insgesamt unterstellt oder dass man sich für einen Superinvestor hält und glaubt, dass dieses Ergebnis auch in der Zukunft erreicht wird. Das ist statistisch betrachtet eher unwahrscheinlich.

Ansonsten gelten die schon öfters in diesem Podcast bzw. Blog besprochenen Klassiker der Geldanlage und des Vermögensaufbaus: 

  • Man sollte finanziell flexibel sein, also bspw. In Aktien oder ETFs investiertes Geld sollte man nicht kurzfristig benötigen. Also wenn man kurzfristig Geld benötigt, dann könnte man auch Anlageformen wie zum Beispiel das Tagesgeld für sich prüfen. Weitere Details zur Frage Tagesgeld oder ETF? Kannst Du auch nochmal in Folge 62 nachhören.
  • Man sollte das eigene Portfolio breit diversifizieren. Nicht versuchen, den Markt durch Market Timing zu schlagen.
  • Man sollte Dummheiten vermeiden, also das eigene Vermögen nicht ins Risiko stellen. Weitere Details kannst Du nochmals in Folge 14 über die erste Regel des Investierens nachhören.
  • Man sollte ebenfalls die Kosten niedrig halten, zum Beispiel mit einem passiven Investmentansatz und indem man nicht andauernd Aktien kauft und verkauft, Stichwort Folge 19 über das wichtigste Wort an der Börse.

Ich persönlich glaube zudem, dass es in der Regel besser ist, etablierte und erwiesenermaßen erfolgreiche Wege zu gehen, als dem in Folge 37 beschriebenen nächsten großen Ding hinterherzujagen oder sich auf thematische Nischen zu fokussieren.

Und junge Anlegerinnen und Anleger haben natürlich den immensen Vorteil, dass sie jung sind. Also sie haben einen potenziell sehr langen Investmentzeitraum vor sich, sodass die in Folge 11 beschriebene wunderbare Kraft des Zinseszins ihre Wirkung voll entfalten kann. 

PS: Das Titelbild ist in Paris entstanden.

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